KREIS SPROTTAU -SAGAN ALT + NEU







Herzog Hans  II. von Sagan
 
Die drei piastischen Herzogtümer Ober, Mittel und Niederschlesien waren durch Erbteilungen in eine große Anzahl kleiner Ländchen zerfallen. Die meisten von diesen Fürsten waren schlechte Regenten ihrer Gebiete. Sie lebten meist verschwenderisch und gerieten in Schulden, gegen ihre Untertanen waren sie hart und lebten häufig im Streite mit ihren nächsten Verwandten.
 
Einer der schlimmsten dieser Fürsten ist der Herzog Hans II. von Sagan.Er hielt treu zu Georg von Podiebrad, während sein Bruder Balthasar, der mit seiner Mutter getrennt vom Vater lebte, als ein treuer Anhänger der Kirche erzogen und mit glühenden Hasse gegen die Hussiten erfüllt
wurde.
 
Dies führte zu einer Entfremdung der Brüder. Der ländergierige Hans benutzte diese Entzweiung um seinen Bruder das Herzogtum Sagan im Jahre 1467 zu entreißen; er musste es jedoch bald zurückgeben.
 
Nach König Georgs Tod schloss sich Hans an König Mathias an
und erhielt von diesen Geld um Söldner zum Kampfe gegen Polen zu werben. Er benutzte aber die 3000 Mann die er sammelte nicht gegen Polen, sondern zum  Kampfe gegen seinen Bruder.
 
Plötzlich zog er im Frühjahre 1472 vor Sagan und ließ die Stadt beschießen, so dass sie zum größten Teil in Flammen aufging. Während des Brandes und beim Versuche , durch das Sorauer Tor zu entkommen fand ein großer Teil der Einwohner den Tod.
 
Herzog Balthasar hatte sich in das feste Schloss zurückgezogen, mußte sich aber nach 9 Tagen ergeben.
 
Hans führte ihn nach Priebus und sperrte ihn in den Schlossturm, wo er nach einer sehr grausamen Haft am 15.Juli 1472 starb. Hans befand sich während dieser Zeit in Sagan.
 
Als er einst bei Tische saß, befiel ihn, so erzählt die Sage, plötzlich eine große Bangigkeit,und er erinnert sich seines gefangenen Bruder. Sofort eilte er nach Priebus, ließ den Turm öffnen und fand seinen Bruder tot am Boden liegen.
 
Bald verbreitete sich nun das Gerücht, Herzog Hans habe seinen Bruder hängen lassen.
 
Es können zwar keine Beweise von der Richtigkeit dieser Nachricht erbracht werden, aber bei den wilden und grausamen Sinne dieses Fürsten ist so eine schreckliche Tat doch nicht unmöglich.
 
Da nun Herzog den Zorn des König Mathias fürchten musste , weil er die Söldner gegen seinen Bruder und nicht gegen Polen verwendet hatte, so floh er zu den Herzögen von Sachsen und verkaufte diesen Sorau und Priebus für 5000 ungarische Gulden.
 
Diese Länder blieben nun 70 Jahre unter sächsischer Herrschaft.
 
Herzog Hans lebte jetzt als Freibeuter, bis im Jahre 1476 Herzog Heinrich XI. von Glogau starb. Sofort erhob er als nächster männlicher Verwandter Ansprüche auf Heinrichs Land, welches aus der Hälfte des Herzogtum Glogau und der Stadt Glogau bestand.
 
König Mathias genehmigte die Besitznahme. Damit war aber Hans nicht zufrieden, sondern er begehrte auch die andere Hälfte, welche den Herzögen von Teschen gehörte.
 
Im Jahre 1480 erschien er plötzlich vor der Stadt, ließ das Schloss beschießen, Aas und ekelerregende Dinge durch Kriegsmaschinen hineinschleudern und die Vorstädte anzünden.
 
Die Besatzung musste weichen, am 1.Mai hielt Hans seinen Einzug und war nun Herr des ganzen Landes. Er wollte dieses auf seine Schwiegersöhne vererben und verlangte von den Bürgern der Stadt schon im voraus die Huldigung. Die Bürger weigerten sich jedoch, weil sie mit Recht den Zorn des Königs fürchten mussten.
 
Nun begann für die Stadt eine Zeit der größten Not. Schon vorher hatte er Stadt und Land mit Härte und Grausamkeit behandelt.
 
Um verschwenderisch leben und Söldner anwerben zu können, hatt er  ungeheure Summen erpresst. Zwei reiche Gutsbesitzer des Landes, deren Habe er an sich reißen wollte, klagte er fälschlich als Räuber an , ließ sie gefangen nehmen und hinrichten.
 
Die Ratsherren welche sich weigerten ,seinen Schwiegersöhnen die Huldigung zu leisten, ließ er 1488 in einen Turm des Schlosses sperren.
Jetzt führte aber König Mathias sein Kriegsvolk heran , welche sich die
Stadt ergeben musste, nachdem sie von dem grausamen Herzog noch Schlimmes erduldet hatte.
 
Ein schreckliches Opfer dieser schweren Zeit wurden die 7 Ratsherren, die seit dem März im runden Turme schmachten. Schon im Sommer gab man ihnen sehr unregelmäßige Nahrung und im September hörte dieses ganz auf. Einer der Unglücklichen Ratsherr Keppel ,hat mit seiner Lichtputz aufgezeichnet ,wie sie Qualen erdulden mussten. Da heißt es unter anderen "Dieses Schreiben ist getan bei großen Schmerz unaussprechlicher Marter und Qual.


Man hat fast 11 Tage nacheinander weder zu essen noch zu trinken gegeben. Gott wolle ihnen und allen denen diese bösen Ratschläge über uns schmieden helfen ,verzeihen und vergeben ".
 
Erst als die Unglücklichen alle verschieden waren , öffnete man die Tür des Kerkers , begrub die Leichen in der Nacht und verbot die Tat öffentlich oder nur zu erwähnen. Wegen dieser schrecklichen Tat welche der Hungerturm in Glogau und der in Priebus noch heute Zeugnis ablegen, erhielt Herzog Hans den Beinamen der Grausame.
 
Er verlor nun das Land, allein dies war keine genügende Strafe für für so entsetzliche Freveltaten.
 
Es war dem alten Übeltäter vergönnt , nach manchen Irrfahrten im Jahre 1504 im Schloss von Wohlau seine Tage  zu beschließen.
 
---Abschrift,- Buch Bilder aus der Geschichte Schlesien , Verlag Moske Oppeln 1889, Seite 81
 





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